Bienenweide des Monats: Andere Pflanzen
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Erdbeerbaumfruchtgelee
(Gelée d'arbouse)

Ein altes Rezept aus der Familie unseres Imkers.

Erdbeerbaumfrüchte

Früchte waschen, gfs. leicht abbürsten.
In einen Kochtopf füllen und knapp mit Wasser bedecken. Zum Kochen bringen und 15 Minuten leicht köcheln lassen. Die Früchte durch ein Sieb pressen und dabei möglichst viel Saft auffangen.

Den Saft wiegen und dasselbe Gewicht an Zucker beifügen. Auf kleiner Flamme ca. 2 Stunden köcheln lassen und den Schaum von Zeit zu Zeit abschöpfen. Wenn der Saft kleine Perlen bildet, ist die Kochzeit beendet. Erkalten lassen und in saubere Gläser füllen.

ErdbeerbaumblüteBienenweide der Monate
November/Dezember:
Der Erdbeerbaum

In Rom unbeliebt, im Mittelalter Wappendekor
Der Erdbeerbaum ist im Mittelmeerraum seit der Antike bekannt. Geschätzt wurde er von den Römern wohl aber nicht so sehr, denn Plinius der Ältere schrieb über seine Früchte wenig Schmeichelhaftes: Man könne sie nur einmal essen, "unedo" – dabei sind sie nicht etwa giftig, sondern sie schmecken nur etwas fade. Arbutus unedo heißt daher diese Pflanze, und im Französischen hat sich der lateinische Name in der Bezeichnung "Arbousier" erhalten. Im Mittelalter muss der Erdbeerbaum auch in Spanien sehr verbreitet gewesen sein, denn er ziert das Stadtwappen von Madrid; dort steht er angeblich für den Klerus, seinerzeit großer Ländereienbesitzer. Bei uns trägt diese Pflanze den Namen westlicher Erdbeerbaum, da diese Unterart vor allem im westlichen Mittelmeerraum sowie an der Atlantikküste vorkommt.

Die Ungewöhnlichste aller Macchiapflanzen
Wie seine sehr entfernte Verwandte aus der Gattung der Ericaceae, die Baumheide, liebt der Erdbeerbaum säurehaltige Böden und fühlt sich daher in den Macchienwäldern des Estérel oder des Maurengebirges, beide vulkanischen Ursprungs, äußerst wohl. Aber auch in den mediterranen Gärten der Provenzalen hat er mittlerweile seinen festen Platz, denn er ist zu allen Jahrezeiten eine dekorative Pflanze: Ein kleiner Baum oder großer Strauch mit schön geformten, immergrünen Blättern. Die Früchte reifen ungewöhnlich langsam, so dass man den ganzen Sommer hindurch bis in den Herbst erst gelbe, dann orangefarbene und schließlich spät im Jahr hellrote Früchte aus seinem Laub leuchten sieht. Diese sehen aus der Nähe betrachtet durchaus originell aus: Sie sind klein und kugelrund, mit einer rauhen, dicken Haut und rundum mit einer Art Noppen besetzt. In den Auslagen der Obststände sucht man sie vergebens, denn aufgrund ihrer mehligen Konsistenz und ihres schon erwähnten mäßigen Geschmacks werden sie nur selten roh gegessen, obwohl sie nachweislich einen hohen Vitamin C-Gehalt besitzen.

Tiefe Wurzeln, langes Leben
Erdbeerbaum AusschnittIn früheren Zeiten verarbeitete man die Früchte natürlich zu Marmelade, Gelee (siehe Rezept im Kasten) oder Likör, denn in einem armen Landstrich wie der Provence durfte nichts Eßbare einfach so in der Natur untergehen. Rinde und Wurzeln wirken harntreibend bzw. blutdrucksenkend und werden auch heute noch in der Naturheilkunde verwendet. Die Wurzeln übrigens können bis zu mehreren Dutzend Metern tief in die Erde reichen, eine ideale Eigenschaft für regenarme Zonen, aber auch ein Grund, warum der Erdbeerbaum, dessen Holz leider ein guter Brennstoff ist, nach Waldbränden sehr bald und üppig wieder austreibt. Manche dieser Bäume erreichen das ansehnliche Alter von mehr als 100 oder gar 150 Jahren.

Späte Blüte sorgt für den Wintervorrat
Dies alles wäre an sich schon interessant genug, doch der Erdbeerbaum hat eine weitere Besonderheit, die ihm die hohe Wertschätzung der Imker, ganz zu schweigen von der seiner Bienenvölker, eingetragen hat: Als Blütezeit hat er sich nämlich eine Saison ausgesucht, wo er ziemlich konkurrenzlos ist – die Monate Oktober bis Dezember. Dann gruppieren sich cremeweiße, glöckchenförmige Blüten zu reichlichen Trauben und bilden einen charmanten Kontrast zu den Früchten, die sich mit der Reife so viel Zeit gelassen haben, dass sie noch die nächste Generation begrüßen können. Die Bienen nehmen diese Weide dankbar an und nutzen jeden sonnigen Tag, um diesen Nektar für ihren Wintervorrat zu sammeln. Ein kluger Imker lässt ihnen den Großteil dieser gesunden Nahrung, da sie damit gut über den Winter kommen und er sie nicht zu füttern braucht. In der Regel erntet er also nur wenig, in Jahren mit ungünstiger Witterung möglicherweise gar nichts. Am Erdbeerbaumhonig scheiden sich ohnehin die Honiggeister ob seiner einzigartigen Bitterkeit: Die einen finden ihn ähnlich ungenießbar wie seinerzeit Plinius die Früchte, die anderen betrachten ihn als Delikatesse schlechthin. Zur letzteren Fraktion dürften in jedem Fall die Bienen gehören!