Bienenweide des Monats
Februar: Mimosen, begehrte Pollenlieferanten (weiter...)

November/Dezember: Der Erdbeerbaum, die ungewöhnlichste aller Macchiapflanzen (weiter...)
Waldbrand: Feind der Macchien und Imker
Trotz vermehrter Wachsamkeit und Vorsichtsmaßnahmen werden in der Provence fast jährlich Hunderte Hektar Vegetation durch Waldbrände vernichtet. 2003 erlebte das Département Var mit knapp 20.000 ha verbrannter Fläche einen traurigen Höhepunkt seit Beginn der statistischen Erfassung 1973 (Quelle: www.promethee.com). Das Feuer streifte nur knapp den Rucher de la Bouverie, den Wohnsitz unseres Imkers.
Gerade die Macchien rund um den Mittelmeerraum sind von Waldbränden besonders bedroht. Die Imker gehören zu den am stärksten von diesen ökologischen Katastrophen betroffenen Berufsgruppen. Wenn nicht die Bienenstöcke selbst Opfer des Brands werden, so verlieren die Imker doch häufig gute Standplätze.

Landschaft nach Waldbrand
In der Regel benötigt ein Macchienwald ca. 20 Jahre, um sich halbwegs zu regenerieren. Korkeichen treiben zwar wieder aus (das Foto oben entstand 2005, also zwei Jahre nach dem großen Waldbrand), doch ihre Korkrinde ist auf ewig geschwärzt. Pinien überleben meist gar nicht, die übrigen Büsche und Sträucher müssen erst wieder von den Wurzeln her austreiben.

Imker in der Provence

Karte der 5 Departements der ProvenceEin paar Zahlen
Die Provence ist der Honiglieferant Frankreichs. So werden hier jährlich etwa 2.000 Tonnen Honig geerntet, das entspricht 10% der französischen Honigproduktion.
Ungefähr 4.500 Imker, davon ca. 300 Berufsimker (mit mehr als 150 Bienenvölkern) sorgen dafür, dass Millionen von Bienen pünktlich zur Blüte vor Ort sind, um Pollen und Nektar zu sammeln oder Honigtau zu ernten.


Der klimatische Unterschied
Im Var, dem mediterransten Département der Provence, sind die Bedingungen für die Bienenzucht besonders günstig: Die Flora ist reichhaltig und, verglichen mit anderen Regionen, einzigartig. Das milde Klima begünstigt eine sehr lange Aktivität der Bienen. Meist beginnt die Saison schon Ende Februar mit Rosmarin und Baumheide und endet erst im Dezember mit der Erdbeerbaumblüte. Bedingt durch diesen frühen Start ins Jahr entwickeln sich neue Kolonien auch schneller als in den nördlicher gelegenen Regionen.

Kurze Winterruhe
Provenzalische Bienen haben es besser: Die Bienen von François Laponche dürfen den ohnehin kurzen Winter an der Côte d‘Azur verbringen! Manche stehen tatsächlich praktisch in Sichtweite von Saint-Tropez... Sie müssen in dieser Zeit nicht gefüttert werden, sondern leben von ihren Vorräten. Ganz wie bei den Menschen gibt es übrigens auch eine Art von Tourismus – Imker aus dem Norden bringen ihre Bienenvölker ebenfalls hierher zum Überwintern.

Solidarität
Die Berufsimker in der Provence sind gut organisiert. Sie vertreten ihre Interessen in nationalen und regionalen Verbänden (z. B. Syndicat National d’Apiculture, gegründet 1916, Union Nationale de l’Apiculture Française, gegründet 1946, oder auf regionaler Ebene das Syndicat des Apiculteurs Professionnels de Provence).
HonigmarktAuch darüber hinaus verhalten sich die Imker untereinander äußerst solidarisch: Gemeinsame Transhumance-Fahrten, Materialbeschaffung oder gegenseitige Pannenhilfe und sogar Einspringen im Krankheitsfall sind selbstverständlich. Und der Nachbar auf dem Honigmarkt ist kein Konkurrent, sondern meist ein alter Freund.

Foto links: Imker François Laponche auf der Fête du Miel, dem Honigmarkt in Roquebrune-sur-Argens