Noch ein Film

Bal - Honig
von Semih Kaplanoğlu (2009)

Bal - Honig Cover

Dieser Film gewann den Goldenen Bären der Berlinale 2010.

Ruhige und schöne Bilder erzählen von einer anderen Welt des Imkerwesens, die sich in den tiefen Wäldern Anatoliens abspielt, und von einer innigen Vater-Sohn-Beziehung. Leider ein wenig traurig, also trotz der Altersangabe nicht unbedingt für Kinder ab 6 geeignet.

Biene mit BüchernFür den Fernsehsessel.

Wir bei Provencehonig.de gehören ja nicht (mehr) zu den eifrigen Kinogängern, sondern zu denjenigen, die einen Film lieber privat genießen und ihn dann aber gerne öfter bzw. immer wieder ansehen. Hier ein paar Empfehlungen aus unserem DVD-Regal für honig-affine Gleichgesinnte.

 

Cover More than Honey More than Honey
von Markus Imhoff (2012)

Ein preisgekrönter Dokumentarfilm über Bienenzucht im 21. Jahrhundert

Bienenzucht wurde lange als "Win-win-Situation" angesehen: Der Biene wird vom Imker die Wohnung zur Verfügung gestellt, möglichst in der Nähe eines attraktiven Nahrungsangebots, und dafür sichert sie dessen Auskommen durch Abgaben in Form von Honig und Wachs. Diese Koexistenz hat über Jahrtausende funktioniert, wie wir wissen. Warum aber sterben heute ganze Bienenvölker plötzlich aus? Der Schweizer Regisseur Markus Imhoof geht dieser Frage nach, indem er einen großen Bogen vom traditionellen Imker in den Schweizer Alpen bis zum amerikanischen Großimker industriellen Zuschnitts schlägt. Durch die ganze Welt bis nach China und Australien haben ihn seine fünf Jahre dauernden Recherche- und Filmarbeiten geführt. Für jede Station nahm er sich Zeit, um mit ruhiger Stimme und in eindringlichen Bildern zu beschreiben, warum dies alles so ist, wie es ist.

Dieser Dokumentarfilm ist schön wegen seiner phantastischen Makroszenen von Bienen und ihrem Leben im Inneren wie auch außerhalb des Bienenstocks, oder auch wegen der großartigen Landschaftsaufnahmen. Und er ist schrecklich, weil wir das Treiben der Menschen sehr oft aus dem Blickwinkel der leidenden Kreatur sehen. Denn „More than Honey“ führt uns vor Augen, wie weit es mit uns gekommen ist.

Ja, das große Bienensterben (Colony collapse disorder) gilt noch als mysteriös. Markus Imhoof liefert aber Ansätze für eine Entschlüsselung dieses Mysteriums, die so geheimnisvoll gar nicht sind. So ziemlich alle führen auf uns, den Menschen, zurück: Das Bienensterben als Problem der Überzüchtung, die den Bienen Widerstandskraft genommen hat (die Varoamilbe ist bis heute der größte Feind ihrer Art), und als Ergebnis der Industrialisierung: Das Streben nach maximalem Profit setzt viele Bienenvölker unnatürlichem Streß, Giften und Medikamenten aus.

Trotzdem endet der Film nicht in einem Katastrophenszenario, sondern macht auch etwas Hoffnung. Er zeigt einen „normalen“ amerikanischen Imker, für den Quantität nicht alles ist. Der Zufall hat ihn mit sogenannten Killerbienen zusammengeführt, die ihn gelehrt haben, dass es auch robuste Bienenrassen gibt – diesen konnte die Varoamilbe zum Beispiel bisher nichts anhaben. Und in Australien, dem einzigen nicht varoa-infizierten Kontinent, werden Bienenrassen gezüchtet, um die Artenvielfalt zu erhalten.

Viel Stoff zum Nachdenken bietet also "More than Honey", der unter anderem, jeweils in der Kategorie Bester Dokumentarfilm, den Schweizer Filmpreis 2013, den Deutschen Filmpreis 2013 und den Bayerischen Filmpreis 2013 erhielt.

 

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